HOAI und die Folgen für Vermesser PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Tino Böhler   
Dienstag, den 03. August 2010 um 10:50 Uhr
Vermessungsbüros unterliegen bestimmten Regeln bei der Abrechnung, Steuerabführung, Mitarbeiterschutz und -versicherung. Besonders wichtig ist Abrechnung der erbrachten Leistung, Die Regelung für die Honorarordnung erfolgt durch eine einheitliche gesetzliche Regelung, die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). In diesem Jahr wurde diese novelliert. Der befürchtete Wegfall der speziell für den Vermessungsbereich entworfenen Verordnungen blieb dabei aus. Dennoch müssen sich Ingenieurbüros auf einige Neuerungen einstellen.

Mit der 6. Novelle sind die Vermessungstechnischen Leistungen als Beratungsleistungen in einen nicht verbindlichen Anhang 1 der HOAI ausgelagert worden und somit nun frei vereinbar. Die bisherige Bindung der Honorarermittlung an die Höhe der anrechenbaren Baukosten ist als Kann- Bestimmung zwar noch aufgenommen, jedoch nicht mehr bindend. Als weitere wichtige Änderung ist die Preisbindung für Zeithonorare und Nachweisleistungen entfallen. Die Stundensätze können nun frei verhandelt werden. Bisher war in der HOAI festgeschrieben, welche Stundensätze für welche Mitarbeiterqualifikationen bei Nachweisleistungen angesetzt werden dürfen. Diese Preisbindung ist mit der neuen HOAI entfallen.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht waren die bisher festgesetzten Ansätze ohnehin für die meisten Büros nicht ausreichend. Ob künftig auskömmliche Stundensätze frei verhandelt werden können, ist aber leider nach wie vor fraglich. Es steht zu vermuten, dass öffentliche Auftraggeber weiterhin Richtlinien vorgeben, zu welchen Stundensätzen sie Nachweisleistungen vergeben. „Bei privaten Auftraggebern liegt es am Verhandlungsgeschick des Planers vernünftige Konditionen durchzusetzen und zu verhindern, dass die bisher festgeschriebenen Sätze sogar noch unterboten werden“, sagt Rainer Trendelenburg, Geschäftsführer der wiko Bausoftware GmbH. Hier würden sich in den nächsten Monaten völlig neue Spielregeln etablieren. Für das eigene Büro bedeutet dies, die Kalkulationsgrundlagen und Einflussfaktoren zur Ermittlung der Stundensätze zu kennen und diese regelmäßig zu überprüfen.

In Vertragsverhandlungen mit einem Auftraggeber ist es also hilfreich, die gewünschten Stundensätze auch fundiert begründen zu können. Für solche Aufgabenbereiche bietet der Markt spezialisierte Softwarelösungen. Mit Controlling-Programmen können Ingenieurbüros per Nachkalkulationen Stundensätze ermitteln. Die Marktdurchdringung solcher Lösungen bei Vermessungsbüros gilt jedoch noch als gering. Wiko aus Freiburg ist ein Anbieter solcher Systeme für Kalkulation und Nachkalkulation der Stundensätze. Dies beruht auf einem speziellen verfahren. Der erste Schritt der Bürokalkulation ist eine nach Personen differenzierte Personalplanung. Anhand der geplanten Jahresstunden und hiervon anteiligen Projektstunden jedes Mitarbeiters werden dessen Gehaltskosten inklusive Sozialkosten in projektbezogene und nicht projektbezogene Lohnanteile aufgeteilt.

Damit kann der erste Zuschlag für nicht projektbezogene Lohnanteile ermittelt werden. Bereits an diesem Wert ist zu erkennen, wie sich Produktivitätsschwankungen oder personelle Veränderungen auf die Kalkulation auswirken. „Vor allem ist er auch ein guter Indikator, um zu erkennen, wenn zu teuere Fachkräfte von der Projektarbeit abgehalten werden und es unter Umständen wirtschaftlicher ist, Hilfskräfte oder Praktikanten zu beschäftigen“, so Trendelenburg. Im nächsten Schritt werden die sonstigen Kosten geplant und deren Summe als zweiter Zuschlag auf die projektbezogenen Lohnanteile gebildet.

Ist ein Büro auch in der Objektplanung tätig, bringt die neue HOAI als weitere wesentliche Änderung mit, dass die Honorare künftig auf Grundlage der Kostenberechnung oder einer individuellen Kostenvereinbarung fixiert werden. Die bisherige automatische Anpassung gemäß den weiteren Stufen der Kostenplanung entfällt. Somit ist dringend zu dokumentieren, welche Leistungen, Qualitäten und Berechnungen der Kostenberechnung zugrunde liegen. „Dies ist noch mehr als bisher ein wesentlicher Beitrag für den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg des Projektes, da alle Änderungen, die ab diesem Zeitpunkt noch honorarrelevant sind, begründbar und nachvollziehbar sein müssen und ein zusätzliches Honorar schriftlich zu vereinbaren ist“, sagt wiko-Gründer  Trendelenburg. Dies stellt also eine wesentliche Verschärfung der bisherigen Honorarordnung dar. Damit sollten heute zum Beispiel einer qualifizierten Kostenberechnung eines Bauwerks folgende Dokumente beigelegt und vom Auftraggeber gegengezeichnet werden: Die Baubeschreibung, eine qualifizierte und Kostenplanung auf Grundlage der Baubeschreibung und die aktualisierte Leistungsbeschreibung zum eigenen Vertrag.

Die Novelle der HOAI betont dabei explizit die Voraussetzung der schriftlichen Vereinbarung für nachträgliche Honoraranpassungen: Wiko etwa bietet neben der Honorarberechnung auch Kataloge, aus welchen dem Bauherrn aufgezeigt wird, welche Vorteile er aus der Beauftragung von Zusätzlichen und Besonderen Leistungen erzielen kann. Solche sorgfältige Dokumentation der eigenen Leistung im Projektcontrolling sowie aller Änderungen des Planungsobjektes im Baukosten- und Vertragscontrolling wird also mit der neuen HOAI-Verordnung immer wichtiger. Und damit dürfte auch das Interesse an Projektmanagementsoftware zunehmen.

Dieser Text wurde vom Expertenportal für Management und Controlling im Bauwesen heruntergeladen.


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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 17. August 2010 um 07:01 Uhr
 
 
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